8. Mai 2019

Welche Agrarpolitik braucht Europa?

Grüne diskutierten im buchcafé

 Über die europäische Agrarpolitik, besseren Natur-, Klima- und Artenschutz sowie die artgerechte Haltung von Nutztieren sprachen auf Einladung des Grünen Kreisverbands verschiedene Akteure im buchcafé. Martin Häusling, Abgeordneter des Europäischen Parlaments und seit über 40 Jahren Bio-Landwirt: „Wir müssen aus Europa nicht die globalen Märkte mit unseren Lebensmitteln versorgen. Wir sollten vielmehr zu einer bäuerlich-ökologischen Landwirtschaft kommen, die das Klima und die biologische Vielfalt schützt. Tiere müssen respektvoll behandelt werden und Bäuerinnen und Bauern muss ein auskömmliches Wirtschaften ermöglicht werden.“

Häusling berichtete vom Irrsinn der derzeitigen europäischen Agrarpolitik: Billige Massenproduktion von Fleisch auf der einen Seite, die in Schwellenländer und nach China exportiert wird. Auf der anderen Seite ein Freihandelsabkommen mit Brasilien, in dem es darum geht, Industriegüter aus Europa zu exportieren und im Gegenzug Rindfleisch zu importieren.

Die derzeitige Subventionspolitik sehen die Grünen sehr kritisch. Häusling: „Im Moment gibt es für eine bestimmte Flächengröße einen festen Betrag, egal wie diese bewirtschaftet wird. Dies ist völlig inakzeptabel. Dass in der Bevölkerung der Wunsch nach einer Agrarreform hin zu mehr Ressourcen-, Artenschutz und ökologischer Ausrichtung vorhanden ist, wurde zuletzt in der breiten Zustimmung zum Volksbegehren Artenvielfalt in Bayern deutlich.“

Ulrike Schott, Vertreterin des Verbandes Pro Vieh, der sich für Nutztiere einsetzt, und Sprecherin des Arbeitskreises Ernährung beim BUND Hessen, berichtete von einer Studie, wonach die gesamte Weltbevölkerung auf der jetzigen landwirtschaftlichen Fläche von biologisch erzeugten Lebensmitteln ernährt werden könnte. Allerdings müsse dafür eine drastische Änderung im Konsumverhalten stattfinden. So muss der Fleischkonsum pro Person nach unten gehen, die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt max. 600 Gramm Fleisch pro Woche. In Deutschland ist er rund viermal so hoch. “ Ein Umdenken der Bevölkerung in der Ernährungsfrage ist mehr als notwendig, auch unter dem Aspekt, dass 35 % – der größte Anteil! – des privaten CO2-Ausstoßes auf den Bereich Ernährung entfallen. Weniger Fleisch, regional und saisonal einkaufen, das ist etwas, was jeder für den Umweltschutz tun kann.“

Christian Eimer, Biolandwirt im Nebenerwerb und Günter Hufmann von der Solidarischen Landwirtschaft in Oberellenbach berichteten von den unterschiedlichen Vermarktungswegen ihrer Bioprodukte und bestätigten die steigende Nachfrage nach hochwertigen Lebensmitteln.

Die Sprecherin des GRÜNEN Kreisverbandes, Martina Selzer führte durch die Veranstaltung.

Zum Abschluss wies Kaya Kinkel, heimische Landtagsabgeordnete der GRÜNEN darauf hin, wie wichtig die kommende Europawahl ist: “Nur ein starkes Europa, in dem Klimaschutz und Ökologie sowie die europäische Idee der Friedensgemeinschaft ganz oben stehen, und nationalistischen Kräften eine klare Absage erteilt wird, ist ein lebenswertes Europa für alle. Daher am 26. Mai GRÜN wählen!“.

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