2. Mai 2018

Interview mit Kaya Kinkel

Frau Kinkel, warum wollen Sie wieder in den Landtag?

Mein Schwerpunkt ist Grüne Wirtschaftspolitik. Ich will mich weiter dafür einsetzen, dass Hessens Wirtschaft Grüner und gerechter wird. Daher habe ich jetzt unser Grünes Wirtschaftskonzept vorgestellt: Wir wollen eine Wirtschaft, die fair, ökologisch und nachhaltig ist. Sie soll dem Nutzen Aller dienen und dabei unsere Lebensgrundlagen erhalten.

Wie kann man denn auf Landesebene Grüne Akzente in der Wirtschaftspolitik setzen?

Sowohl in Hessen als auch bundesweit wird die Wirtschaftsleistung mit dem Bruttoinlandsprodukt gemessen. Schon lange ist aber klar, dass nicht alles, was die Wirtschaft wachsen lässt, auch das Leben der Menschen verbessert. Wir brauchen eine neue Definition von Wohlstand. Deshalb wollen wir für Hessen einen Indikator erarbeiten, der auch Kriterien wie Lebensqualität, Zufriedenheit und den ökologischen Fußabdruck berücksichtigt. Dazu wollen wir untersuchen, welche alternativen Wohlstandsmessungen für Hessen sinnvoll sind. Außerdem soll regelmäßig ein Hessischer Wohlstandsbericht veröffentlicht werden.

Aber warum gerade wir in Hessen?

Gerade weil es Hessen und seiner Wirtschaft gut geht, haben wir beste Voraussetzungen und deshalb auch die Verantwortung, mit nachhaltigem Wirtschaften weiter voranzugehen. Dafür wollen wir die Rahmenbedingungen verbessern und insbesondere Wachstum vom Ressourcenverbrauch entkoppeln. Denn nur so können wir dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit erreichen. Arbeitsplätze, die die Umwelt belasten, sind häufig auch keine zukunftsfähigen Arbeitsplätze, weil sie besonders anfällig für Strukturwandel und sich ändernde Konsumentenerwartungen sind.

Worin unterscheidet sich Grüne von der herkömmlichen Wirtschaftspolitik?

Hessens Wirtschaft hat sich viel zu lange auf vermeintliche Leuchtturmprojekte konzentriert, statt innovative Zukunftsbranchen wie Erneuerbare Energien, die Kreativwirtschaft, Fintechs (technologiebasierte Finanzdienstleistungen) oder Cybersicherheit konsequent zu entwickeln. Das haben wir seit 2014 geändert. Dank neuer und deutlich besser ausgestatteter Förderangebote hat sich Hessen zum Flächenland mit der höchsten Gründungsquote entwickelt. Kleine und mittlere Unternehmen profitieren von Instrumenten wie Beteiligungskrediten oder dem Neuen Technologiefonds Hessen.

Aber was hat das alles mit dem urgrünen Thema Umweltschutz zu tun?

Das nächste große Kapitel der Ökologisierung der Wirtschaft – nach der Energiewende – ist die Abkoppelung des Wohlstands vom Ressourcenverbrauch. Wir wollen eine Hessische Landesstrategie zur Ressourceneffizienz erarbeiten und Unternehmen bei der Umsetzung ressourcensparender Neuerungen mit Investitionsprogrammen unterstützen.

Mit Umweltberatungs- und Qualifizierungsprogrammen wollen wir ihnen dabei helfen, ein betriebliches Umweltmanagement einzuführen und Rohstoffe zu sparen. Das ist ein weiterer Schritt, um mit Grünen Ideen schwarze Zahlen zu schreiben.

Damit weniger Ressourcen verbraucht werden, fördern wir Investitionen kleiner und mittlerer hessischer Unternehmen in moderne Technologien. Weil Unternehmen auch außerhalb der Ballungsräume schnelles Internet brauchen, werden wir noch 2018 die flächendeckende Breitbandversorgung sicherstellen. Denn die Digitalisierung bietet große Chancen zu einer massiven Einsparung von Ressourcen, wenn wir es schaffen, den Energieverbrauch in Grenzen zu halten und einen Rebound zu vermeiden.

 

 

 

 

 

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